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Superfoods - was können Früchte und Samen aus fernen Ländern wirklich?

Ein Jahr ist schon wieder (fast) vorbei und manch einer macht sich heute an Silvester seine Gedanken zu seinen guten Vorsätzen für`s neue Jahr. Nicht selten finden sich da Punkte wie

"ich möchte abnehmen" oder "ich ernähre mich ab dem neuen Jahr gesünder".

Da liegt es nahe, sich dem Thema Superfoods einmal zu widmen, denn die Medien liefern uns regelmäßig neue Berichte dazu und ab Januar sind die Frauenzeitschriften dann auch wieder mit der x-ten Diät mit den dazugehörigen Superfoods am Start. Auch die Lebensmittelproduzenten springen auf den Zug mit auf und bieten Brot und Brötchen bereits mit Chiasamen an. In die Regale von Discountern und Supermärkten haben es die Superfoods auch längst geschafft und selbst der Kochbuchmarkt boomt zum Jahreswechsel: gesunde Smoothies, schlanke Küche, vegane Rezepte - all das verkauft sich mit dem Zusatz "Superfoods" offenbar viel besser.

Man möchte ja auch alles dafür tun, die guten Vorsätze in die Tat umzusetzen -

vorerst zumindest...

 

 

Was sind denn eigentlich Superfoods?

Eine klare, offizielle Definition oder gesetzliche Regelung, was als "Superfoods" bezeichnet werden darf, gibt es nicht! Denn Superfood ist eigentlich ein Begriff aus dem Marketing, welcher Lebensmittel mit angeblichen gesundheitsfördernden Eigenschaften beschreibt. Angeboten werden Superfoods meist in getrockneter Form, als Pulver, Samen oder Extrakt. Aufgrund ihrer größeren Mengen an Vitaminen und/oder Mineralstoffen  (welche auch gerne mal extra zugesetzt werden), sowie sekundären Pflanzenstoffen sollen sie unsere tägliche Ernährung aufwerten. Hinzu kommen Aussagen, dass Superfoods verschiedenen Krankheiten vorbeugen können und beim abnehmen helfen. Besonders hervorgehoben wird ihr antioxidatives Potential. Wissenschaftlich belegt ist das jedoch nicht immer. Häufig stammen diese Versprechungen von den Anbietern selbst, die sich dabei auf persönliche Erfahrungen oder Erfahrungsberichte anderer verlassen. Gesicherte Daten fehlen somit in der Regel.

So wird beispielsweise Gerstengras nachgesagt, dass es einen Einfluss auf die Blutfettwerte, sowie eine Wirkung gegen Stress und depressives Verhalten habe und noch dazu das Hautbild verbessern könne. Erforscht wurde dies jedoch bislang nicht am Menschen, sondern nur im Tiermodell und in Zellkulturen. Aber mit der richtigen Werbung lässt sich offensichtlich das bekannte Katzengras/Ostergras nun unter dem Hype der Superfoods für teuer Geld gut verkaufen.

Auch Chiasamen sollen gegen erhöhten Blutzucker wirken und das Schlaganfall-/und Herzinfarktrisiko senken. Gojibeeren und Moringablätter gelten dagegen als Anti-Aging-Mittel.

Ich könnte jetzt noch ewig weiterschreiben, denn es gibt mittlerweile so viele Superfoods.

Doch nicht nur die nicht belegten Versprechungen für die Gesundheit machen Superfoods zu einem fragwürdigem Produkt.

 

Woher kommen Superfoods?

Chiasamen, Gojibeere, Acaí-Pulver - allein bei diesen drei Produkten wird klar, dass vor allem Produkte aus exotischen Ländern angepriesen werden. Häufig steht auf der Verpackung aber gar kein Herkunftsland. Ökö-Test hatte im Jahr 2016 Superfood-Produkte getestet, dabei bio und konventionell. Eine Endbewertung "mangelhaft" oder "ungenügend" haben 15 von 22 getesteten Produkte erhalten. Meist waren zu hohe Pestizidbelastungen oder Bakterien nachgewiesen worden. Auch Schwermetalle (z.B. Arsen, Cadmium), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffen (PAK) oder Mineralöl wird immer wieder in Superfoods nachgewiesen. Ob man da noch von einer Aufwertung der täglichen Ernährung sprechen kann, wage ich zu doch mal zu bezweifeln.

Kritisch kann man auch den langen Transportweg von den Anbaugebieten bis in den deutschen Supermarkt betrachten. Damit die Produkte den Transport überstehen, werden sie oft zu früh geerntet, teilweise stark verarbeitet oder mit Aromen und Konservierungsmitteln versehen. Es ist daher fraglich, wie viel von den beworbenen Inhaltsstoffen tatsächlich noch beim Verbraucher ankommt.

 

Superfoods aus Deutschland?

Ja, das gibt`s!

Haferflocken, Leinsamen, Nüsse, Heidelbeeren, Brokkoli, schwarze Johannisbeere sind nur einige davon. Auch sie sind voll bepackt mit Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen, Antioxidantien und ungesättigten Fettsäuren.

 

Anstelle des Açaí-Pulvers kann man auf dunkle Beeren (z.B.: Brom-, Holunder- Heidelbeere), sowie auf Kirschen, rote Weintrauben und Rotkohl zurückgreifen. Und der gute alte Leinsamen ist die heimische Antwort auf Chiasamen, denn Leinsamen enthalten ebenfalls Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe.

Besonders reich an sekundären Pflanzenstoffen sind auch Zwiebelgewächse (Zwiebel, Lauch, Schnittlauch, Knoblauch), alle Kohlarten, Hülsenfrüchte, Pflanzenöle, Kerne und Nüsse.. Man muss also nur zugreifen, die gesunde Ernährung liegt direkt vor uns!

 

In diesem Sinne, einen gesunden Appetit im neuen Jahr!

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